
Der reale, selbst begehbare Rundgang »er1900« (Projekt »Erlangen sichtbar – unsichtbar«) folgt 17 ebenerdig in den Boden eingelassenen Edelstahlplatten mit QR-Codes und zeigt Gebäude, Denkmäler und Orte aus der Zeit des Kaiserreichs – vom Zentrum der Altstadt bis hinaus in die Oststadt.
Der reale, selbst begehbare Rundgang »er1900« (Projekt »Erlangen sichtbar – unsichtbar«) folgt 17 ebenerdig in den Boden eingelassenen Edelstahlplatten mit QR-Codes und zeigt Gebäude, Denkmäler und Orte aus der Zeit des Kaiserreichs – vom Zentrum der Altstadt bis hinaus in die Oststadt.
Stops
Die Route ist in Reihenfolge aufgebaut, damit du den Flow direkt nachvollziehen kannst.
Das 1890 enthüllte Denkmal erinnerte an die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallenen Erlanger und wurde zu einem zentralen Ort nationalistischer Kundgebungen der Kaiserzeit. Bekrönt von einem bayerischen Löwen, trug es Reichsadler und die Inschrift »Gott mit uns«. 1952 als Verkehrshindernis abgebrochen, wurde der steinerne Löwe 2003 an gleicher Stelle wieder aufgestellt.
Die wohlhabende Brauerfamilie Erich ließ dieses repräsentative Wohn- und Geschäftshaus 1886/87 im Neurenaissance-Stil errichten; es gilt als eines der repräsentativsten Wohnhäuser der Erlanger Kaiserzeit. Die Erich-Brauerei wurde zur größten Exportbrauerei der Stadt und 1893 auf der Weltausstellung in Chicago ausgezeichnet. 1910 nächtigte der spätere König Ludwig III. hier.
Johann Georg Bücking gründete hier 1838 die erste industrielle Elfenbeinkammfabrik Deutschlands und führte den Betrieb als erstes Erlanger Unternehmen von der handwerklichen zur maschinellen Fertigung. 1845 lief hier die erste Dampfmaschine der Stadt, und die Kämme mit dem Markenzeichen »Elefant« gingen weltweit in den Export. Um 1910 stellte die Firma auf Kunststoffkämme um.
An dieser Stelle stand eine der größten Erlanger Exportbrauereien, die sich seit den 1870er Jahren zur industriellen Großbrauerei mit Dampfmaschinen und Kühlwaggons entwickelte. 1906 fusionierte sie mit der Reifbrauerei; der Braubetrieb endete 1974, danach entstand auf dem Gelände der Altstadtmarkt. Teile der historischen Fassade blieben erhalten.
Der 1843/44 errichtete Bahnhof markiert den Anschluss Erlangens an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn, deren erstes Teilstück Nürnberg–Bamberg 1844 eröffnete. Der Bahnanschluss ermöglichte den Aufschwung der Brauereien und die Ansiedlung neuer Industrie. Ab 1868 wurde das schlichte Sandsteingebäude auf zwei Geschosse mit Arkadenloggia erweitert.
Das 1897/98 errichtete Postamt ist ein monumentaler neubarocker Prachtbau der wilhelminischen Zeit, der dem wachsenden Post-, Telegrafen- und Telefonverkehr Rechnung trug. Auf dem Dach befand sich ein Einführungsturm für die Leitungen. Der Bau war einer der ersten großen Eingriffe in das barocke Ensemble der Erlanger Neustadt.
Das 1898 zum 100. Stiftungsfest übergebene Verbindungshaus des Corps Onoldia zeigt mit seinem burgartigen Neurenaissance-Bau das Selbstbewusstsein studentischer Korporationen im Kaiserreich. Damals gehörten rund 60 bis 70 Prozent der Erlanger Studenten solchen Verbindungen an. Im Haus lagen Kneipe, Konventsräume, Festsaal und Kegelstube.
Der neubarocke Bau am Ostrand des Schlossgartens entstand 1886–89 als repräsentatives Hauptgebäude der Universität mit vierzehn Hörsälen, Senatssaal und Aula. Er markiert die erste große Ausbauphase, als die Studentenzahl auf knapp 1000 gestiegen war. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs diente das Haus als Reservelazarett.
Das 1930 im Schlossgarten enthüllte Denkmal des Bildhauers Eduard Beyrer zeigte einen gefesselten Krieger und richtete sich mit dem Spruch »Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten!« gegen den Versailler Vertrag. 1946 ordnete die amerikanische Militärregierung den Abbruch der Statue an. Erhalten blieben Podest und acht Seitensteine mit 384 Namen der Gefallenen.
Am Bohlenplatz stand das erste eigenständige Bauwerk der Erlanger Arbeiterbewegung: 1906 errichtete die 1901 gegründete Konsumgenossenschaft hier ein Jugendstilhaus mit Dampfbäckerei, Laden und Kontor. Bis 1914 zählte die Selbsthilfeorganisation über 2500 Mitglieder und produzierte eigene Lebensmittel. Das 1997 abgerissene Gebäude wird durch erhaltene Fassadenelemente in Erinnerung gehalten.
Das 1889/90 im Stil des Historismus errichtete Haus ist Sitz der Freimaurerloge »Libanon zu den drei Cedern«, die bereits 1757 gegründet wurde. Der Sandsteinbau trägt am Giebel den Wahlspruch »Wahrheit Recht Menschenliebe«. 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst, wurde das Gebäude 1950 zurückgegeben und dient bis heute der Loge.
Auf dem heutigen Lorlebergplatz, damals Kaiser-Wilhelm-Platz, stand ab 1897 ein elf Meter hoher Obelisk mit vier Bronzemedaillons zu Ehren Kaiser Wilhelms I. und der Reichsgründung – das zweite Wilhelm-Denkmal Bayerns. 1942 wurden die Medaillons für Kriegsmaterial eingeschmolzen. 1946 wurde das verfallene Denkmal abgebrochen.
Das 1889 erbaute Gasthaus im Arbeiterviertel Stubenloh war ein zentraler Treffpunkt der Erlanger Arbeiterbewegung. 1892 wurde hier der Ortsverein des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes, des Vorläufers der IG Metall, gegründet, ein Jahr später das lokale Gewerkschaftskartell. Nach der Schließung der Gastwirtschaft im Jahr 2000 dient das Gebäude heute als Hotel.
Hier hielt die 1886 eröffnete Sekundärbahn nach Gräfenberg, im Volksmund »Seku« genannt; das Zollhaus war neben dem Hauptbahnhof ihre einzige Haltestelle im Stadtgebiet. Der Verlauf der rund 29 Kilometer langen Strecke prägte die spätere Ringstraße. 1963 wurde der Verkehr eingestellt, 1967 der Fachwerkbau abgebrochen.
Die 1886 gegründete Firma fertigte in dem ab 1893 errichteten Backsteinkomplex elektrotechnische und medizinische Geräte und leistete Pionierarbeit in der Röntgentechnik. Zu Kriegsbeginn 1914 beschäftigte sie über 670 Menschen; 1925 übernahm Siemens & Halske das Unternehmen. Heute beherbergen die denkmalgeschützten Bauten das Stadtarchiv und das Siemens MedMuseum.
Die 1900 errichtete Kaserne des 10. Feldartillerie-Regiments umfasste mehr als ein Dutzend Backsteingebäude mit Mannschaftsquartieren, Reithallen und Ställen. Mit rund 2200 Soldaten bei knapp 25.000 Einwohnern war die Garnison ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und prägte die Entwicklung der Oststadt. Seit 2001 nutzt die Universität die sanierten Bauten als Röthelheim-Campus.
Im Hof der ehemaligen Artilleriekaserne steht das 1922 enthüllte Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 10. Feldartillerie-Regiments, gestaltet als stehender Kanonier mit Stahlhelm. Die Stadt hatte eine Aufstellung in der Innenstadt abgelehnt, um militaristische Symbole aus dem öffentlichen Raum fernzuhalten. In der Weimarer Zeit und der NS-Ära wurde das Denkmal zum Ort nationalistischer Kundgebungen.