
Ein selbst begehbarer Erinnerungspfad durch die Regensburger Altstadt: von den mittelalterlichen Resten des Judenviertels am Neupfarrplatz über Stolpersteine und die „Judensau" am Dom bis zur 2019 eröffneten neuen Synagoge und dem jüdischen Friedhof an der Schillerstraße.
Ein selbst begehbarer Erinnerungspfad durch die Regensburger Altstadt: von den mittelalterlichen Resten des Judenviertels am Neupfarrplatz über Stolpersteine und die „Judensau" am Dom bis zur 2019 eröffneten neuen Synagoge und dem jüdischen Friedhof an der Schillerstraße.
Stops
Die Route ist in Reihenfolge aufgebaut, damit du den Flow direkt nachvollziehen kannst.
Der israelische Künstler Dani Karavan schuf 2005 auf den Grundmauern der 1519 zerstörten mittelalterlichen Synagoge das begehbare Bodenmahnmal „Misrach“ (hebräisch für Osten). Die hellen Linien zeichnen den Grundriss des gotischen Gotteshauses nach und erinnern an die bis zur Vertreibung blühende jüdische Gemeinde im Herzen der Stadt.
Unter dem Platz macht das unterirdische „document Neupfarrplatz“ die von 1995 bis 1998 ausgegrabenen Reste des mittelalterlichen Judenviertels mit Synagoge und Wohnkellern sichtbar. Der Ort ist nur im Rahmen von Führungen zugänglich und veranschaulicht die einstige Ausdehnung des bedeutenden jüdischen Quartiers.
Die Neupfarrkirche steht dort, wo nach der Vertreibung der Juden 1519 auf dem Areal des zerstörten Judenviertels zunächst die Wallfahrtskapelle „Zur Schönen Maria“ errichtet wurde. Aus diesem Bau ging später die erste protestantische Kirche Regensburgs hervor – ein sichtbares Zeichen des Bruchs von 1519.
In der Unteren Bachgasse erinnern in das Pflaster eingelassene Stolpersteine an jüdische Bewohnerinnen und Bewohner, die in der NS-Zeit verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Die kleinen Messingtafeln nennen Namen und Schicksal der Menschen, die zuletzt an dieser Adresse lebten.
Eine Gedenktafel am spätgotischen Haus Hinter der Grieb weist darauf hin, dass hier im 18. Jahrhundert eine Synagoge untergebracht war. Solche versteckten Bethäuser bezeugen die Zeit, in der Juden nach der Vertreibung von 1519 nur unter Auflagen wieder in der Stadt leben konnten.
Die im Kern romanische Pfarrkirche St. Kassian wurde im 18. Jahrhundert barockisiert und mit einem Freskenzyklus ausgestattet, der die Wallfahrt „Zur Schönen Maria“ wiederbeleben sollte. Diese Wallfahrt war unmittelbar aus der Zerstörung des jüdischen Viertels und der Vertreibung der Gemeinde 1519 entstanden.
An einer Außenwand des gotischen Doms St. Peter befindet sich eine sogenannte „Judensau“, ein im Mittelalter verbreitetes antijüdisches Schmährelief. Es gilt heute als Zeugnis jahrhundertelanger Judenfeindschaft und wird kritisch eingeordnet und kommentiert.
Das Historische Museum im ehemaligen Minoritenkloster bewahrt bedeutende Zeugnisse des jüdischen Regensburg, darunter mittelalterliche Grabsteine des 1519 zerstörten Friedhofs. Die Sammlung ordnet die lange Geschichte der Gemeinde in die gesamte Stadtgeschichte ein.
Am Brixener Hof wurde 2019 das neue jüdische Gemeindezentrum mit Synagoge eröffnet – genau 500 Jahre nach der Vertreibung von 1519. Es steht an der Stelle der 1912 geweihten Synagoge, die während des Novemberpogroms 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde.
Der 1822 an der Schillerstraße angelegte jüdische Friedhof wurde bis 1999 belegt und steht heute unter Denkmalschutz. Seine Grabsteine dokumentieren rund 150 Jahre Gemeindegeschichte aus der Zeit, als Juden wieder dauerhaft in Regensburg leben durften. Er trat damit an die Stelle des mittelalterlichen Begräbnisplatzes, der 1519 mit dem Judenviertel zerstört worden war.